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Wir leben Basisdemokratie

Offener Brief an Minister Berlakovich

Sehr geehrter Herr Berlakovich,

wir möchten uns erlauben, Ihnen mit Sachkompetenz, Fachwissen und ein wenig Hausverstand zur Seite zu stehen. Wir haben leider den Eindruck, dass es in Ihrem persönlichen Umfeld daran mangelt, was den Bereich der digitalen Medien und insbesondere die aktuelle Preislage für Dienstleistungen im IT-Bereich betrifft.

Kommen wir gleich zum Punkt: 4,39 Millionen Euro Steuergeld für eine Webseite auszugeben, ist eine enorme Geldverschwendung. Diese Summe entspricht in keiner Weise den üblichen Marktpreisen für ein derartiges Produkt. Eine Homepage dieser Ausführung würde auf dem freien Markt nur einen Bruchteil davon kosten.

Wir verstehen nicht, warum der Auftrag ohne Ausschreibung direkt an eine private Agentur und intern an das LFRZ vergeben wurde. Dies widerspricht dem Prinzip des fairen und freien Wettbewerbs und legt den Verdacht von wettbewerbsverzerrender Freunderlwirtschaft nahe. Vielleicht resultieren die absurd hohen Kosten für eine derartige Standarddienstleistung ja auch aus der fehlenden öffentlichen Ausschreibung?

Die gesamte Dienstleistung, also Design und Umsetzung eines vergleichbaren Content-Management-Systems, kostet grob €80.000, relevante Schulungen für Administratoren und Anwender noch einmal etwa €20.000. Hinzu kommen noch ca. €3.000 pro Jahr für Lizenzkosten des CMS und Updates. Somit hätte man die Website auf absehbare Zeit für weniger als ein Zehntel der Ihnen entstandenen und den Steuerzahlenden weiter verrechneten Kosten erstellen und warten können.

Eine Förderung von 20 Jungunternehmen mit je €210.000 hätte der Wirtschaft und der Republik Österreich deutlich mehr gebracht. Alternativ hätte man auch 200 Jungunternehmen mit einer Summe von je €21.000 fördern können – oder stattdessen den Universitäten endlich mehr Mittel zur Verfügung stellen.

Wenn Sie das nächste Mal eine Dienstleistung im IT-Bereich benötigen, bieten wir Piraten Ihnen gerne fachkundige Hilfe und Beratung bei der Ausschreibung an. Wir erstellen gerne eine Liste mit marktüblichen Preisen für Websites für Sie. Ebenso können Sie sich gerne an uns wenden, wenn sie Nachhilfestunden in IT-Themen oder aber auch in alltäglichen politischen Fragen brauchen. Wir Piraten helfen gerne anderen, noch nicht ganz im 21. Jahrhundert angekommenen Parteien dabei, die Vorteile von absoluter Transparenz in politischen Prozessen und direkter Bürgerbeteiligung zu vermitteln.

Mit freundlichen Grüßen,
die Piratenpartei Österreichs


Kommentare

4 Kommentare zu Offener Brief an Minister Berlakovich

  1. Wieso soll ein CMS 80.000 Euro kosten ? Sowas gibts doch als OpenSource ohne jede kosten evtl noch n par tausender fürs Design aber ansonsten wärs das ja. Als, würde mich freuen wenn die Piraten da mehr freie Software ins Spiel bringen würden.

  2. Walter KLag meinte am

    4,39 Millionen Euro Steuergeld für eine Webseite sind viel. Eine Milliarde für KYOTO ist aber eine noch viel größere Verschwendung!
    Wenn Österreich aus dem Kyoto-Protokoll aussteigt und damit Zahlungen erspart, können die dadurch frei werden Mittel dazu verwendet werden, das Ziel der Energieautarkie schneller zu erreichen. Insgesamt muss Österreich etwa 1 Milliarde für CO2-Zertifikate zahlen. Damit könnte man 30 000 Häuser mit einer Holzvergaser-Zentralheizung ausstatten, damit bleibt die Wertschöpfung in der Region und geht nicht im Ausland für Österreich verloren.
    Viele Gemeinden können Geld verdienen und Schulden abbauen, indem sie selbst Energie erzeugen. Durch Wärmedämmung und die Nutzung von Biomasse, ergänzt durch Solar- und Windenergie sowie Erdwärme sind heute schon viele Gemeinden energieautark oder diesem Ziel sehr nahe gekommen. Beispiele dafür sind Güssing im Burgenland und Jühnde bei Göttingen und die Bioenergiedörfer. Energie-Überschüsse können die Gemeinden verkaufen und damit größere Siedlungen versorgen, wo die Energieautarkie nicht so leicht zu verwirklichen ist. Dadurch werden die Energieverteilungsnetze entlastet.

  3. Klaus Ramelow meinte am

    Ich danke und gratuliere für die klare Darstellung

  4. Bernd Lauert meinte am

    Das hat gesessen, gut geschrieben.
    Ich finde es auch eine unglaubliche Verschwendung von Steuergeldern und sowas muss stets öffentlich gemacht werden.
    Gruß aus Bayern und weiter so

    Bernd Lauert

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